23.10. Jepptour - kein Problem, Kohle auf den Tisch und los gehts... soweit unsere Planung.
24.10. Und tatsaechlich, um punkt 9.00 Uhr steht unser Fahrer vor der Hostel-Tuere. Erkar heisst er und scheint auf den ersten Blick ein ruhiger Zeitgenosse zu sein. Gemeinsam tragen wir das Gepaeck - hauptsaechlich Lebensmittel - herunter und laden es in den grauen Russenjeep. Auf dem Weg aus der Stadt fuellen wir die beiden Tanks des Fahrzeuges mit 70Liter Benzin und schon bald ist es wieder aus mit Asphaltstrasse. In "unsererm" Auto ist es verglichen mit dem Microbus herrlich bequem, kein Wunder, wir sind ja auch nur vier Leute.
100km hinter UB steigt vor uns ploetzlich ein gigantischer Vogelschwarm auf. Waehrend wir dem Treiben zusehen, deutet Erkar auf die Steppe. Unglaublich! Der ganze Boden ist voll mit Voegeln, Myriaden! Wir halten an und laufen ein Stueck in das endlos scheinende Vogelfeld hinein. Die Voegel sehen aus wie Wachteln, sind es wahrscheinlich auch. Essen soll man die Dinger laut Erkar auch ganz gut koennen...
Wir fahren rechts und links der Strasse und scheuchen so die Voegel auf - nicht sehr tierfreundlich aber dafuer um so spektakulaerer! Wenn diese unglaubliche Masse an Voegeln sich in der Luft zu einem Gebilde zusammenschliessen und sich in geometrischer Form - die sich andauernd veraendert - fortbewegen, so sieht das einfach nur unglaublich faszinierend aus. Man koennte diesem Treiben stundenlang froenen aber... wir muessen ja weiter. Diese Ebene ist vollgestopft mit Federviehleben! Neben den Wachteln segeln Falken durch die Luefte und wir sitzen keine Minute im Auto, da baut sich direkt neben der Strasse ein Adler zum Abflug auf. Nahrung gibt es fuer die Greiffvoegel en mass. Nicht nur die Wachteln laden zu Speiss und Trank ein, auch eine Vielzahl an meerschweinaehnlichen Wesen huepfen und hopsen da und dort von einem Erdloch ins andere. Hier ein Koenig der Luefte zu sein kommt einem Leben im Paradiese gleich, das Essen wird quasi auf dem Goldenen Tablett serviert...
Gegen 16.30Uhr erreichen wir ein verlassenes Moenchskloster, eingebettet in eine schroffe Berglandschaft. Kuehe streifen durch die verlassenen, unbedachten Gebaeude, Baeume wachsen laengst aus den zerfallenen Mauern. Wenn es waermer waere, waere diese Bergkette in Mitten der mongolischen Steppenlandschaft der perfekte Zeltplatz, ist es aber nicht.
Keine drei Kilometer entfernt hat eine Familie ihre Jurten aufgeschlagen. Neben zwei Familienjurten steht eine Dritte, die sogenannte Gastjurte. Erkar redet mit den Leuten und kurz darauf wird in der Gaestejurte ein Feuer entfacht. Es ist richtig kalt geworden und Schnee liegt in der Luft. Deswegen stolpern wir drei gar nicht lange draussen herum, sondern machen es uns in der mugelig warmen Jurte gemuetlich. Im Innern des runden Filzzeltes stehen sieben kurze, harte Betten und ein Blechofen dessen Ofenrohr quasi den Mittelpunkt der Jurte markiert. Wir kochen Spaghetti mit Tomatensauce und danach einen Kessel Tee. Auch hier bringt Kacke das Wasser zum dampfen...
25.10. In der Nacht hat es geschneit. Die liebe Mongolenoma macht uns ein Feuer an, in der angenehmen Waerme verspeisen wir Muesli und bringen unseren Koffeinspiegel auf Vordermann. Um 9.15 Uhr geht es weiter, nachdem wir fuer die herrliche Unterkunft 5000 Toegroeg (2.50 Euro) pro Person berappt haben.
Eine Zauberhand scheint Zauberpuder ueber eine Zauberlandschaft gestreut zu haben. Nicht nur ueber die Landschaft, nein, auch ihre Bewohner. Kamele suchen unter der duennen Schneeschicht nach Futter waehred auf ihrem Ruecken derselbe im strahlenden Morgenhimmel glitzert. Zauberhaft!
In Mandal Gobi tanken wir und erreichen kurz darauf Ulaan Savarge, eine schoene Sandsteinformation. Die Steine sind gelbrot gefaerbt, ein sehr schoener Kontrast zu der doch recht oeden Steppe.
Gegen 17.00 Uhr erreichen wir das erste Familienjurtencamp. Die Gastjurte ist von einer Gruppe Franzosen belegt, also trinken wir nur einen Milchtee mit der Familie und fahren dann weiter. Erkar hat sich erkundigt, wo im Moment noch andere Familien "jurten". Die sind nicht ganz einfach zu finden, sind die Nomaden doch vorallem jetzt, zum Jahreszeitenwechsel, oft "on tour". Doch nach kurzer Fahrt erreichen wir ein weiteres Camp mit einer freien Jurte, allerdings ist die wirklich schlecht abgedichtet. Egal. Hauptsache der Ofen funktioniert und der Dung ist trocken. Fuer die Nacht haben wir ja unsere warmen Schlafsaecke dabei, denn sobald die Glut im Ofen erlischt wird es rapide kalt. Vor der Tuere schlaeft eine Herde Kamele. Mann. Die stinken!
26.10. Olaf hat schon gestern ein bisschen gekraenkelt, heute ist er krank. Ich meine kraenker als sonst - also zusaetzlich koerperlich! Er hat eine Erkaeltung. Juhu. Wahrscheinlich hat er sich die Bakterien in Ulaan Baator im Internetcafe einverleibt, die ganze Stadt scheint nur am husten und roecheln zu sein.
Wir kennen kein Pardon und um 9.00Uhr heult der Motor des Jeeps als Zeichen unseres Aufbruches auf. Im Nichts der Gobi - keine Sandlandschaft sondern eine Grassandlandschaft - gibt es eigentlich nur einen Haufen NICHTS zu sehen, ausgenommen der lustigen Kamelgesellen die ueberall herumlungern.
12.30Uhr. Wir essen in Dalanzudgad Reis, Eier und Salat. Danach shopen. Finden nix. Warum? Gibt nix.
Zwei Stunden spaeter geht die Fahrt weiter. Hab ich schon erwaehnt, das ein Jeep hier das perfekte Fortbewegungsmittel ist? Nun... es ist. Und so erreichen wir kurz darauf den 50km entfernten Yollen-Cannyon. Auf 2500mueM laesst uns der Fahrer aussteigen und wir drei laufen bei stuermischem Rueckenwind 2km in die Schlucht herein. Dort befindet sich normalerweise ein grosses Eisfeld - Gletscher genannt - aber davon ist am Ende des Sommers nicht mehr als eine schwarze Schneeschicht ueber. Hinter dem Gletscher schlaengelt sich ein kleiner Bach durch die immer enger werdende Schlucht. Mein kindlicher Entdeckungsdrang draengt mich immer tiefer in die Schlucht - doch schliesslich siegt die "Vernunft des Erwachsenen" und ich kehre um... Es gibt hier nix mehr zu erforschen, ist alles schon erforscht, hinterforscht, durchleuchtet und "explored": Im Parkeingang steht im Sommer ein riesen Jurtencamp, wo hunderte von Touristen in Plumpsklos ihre Faekalien hinterlassen... Trotzdem ist es schoen hier.
Heute schlafen wir in einer richtigen Winterjurte - doppelwandig und voll abgedichtet. Hier in der Gobi wird nicht mehr mit Dung gefeuert sondern mit Holz. Und was fuer Holz! Saxol. Mann, hat das Power! Da ich meistens noch lese und somit als letzter schlafen gehe, lege ich immer noch etwas Brennmaterial fuer die Nacht nach. Von diesem Saxol-Busch-Holz-Zeug lege ich nur vier Scheite nach, doch die reichen um mir ein koestliches "Experiment" zu liefern: Wie lange dauert es, bis der Livia zu warm wird? Mir wird es schnell viel zu heiss und halbentbloest warte ich ab was geschieht. Ich haette in dieser Bullenhitze natuerlich auch die Tuere oeffnen koennen, doch interessiert es mich gewaltig, wie lange es dauert, bis der dauerfrierenden Livia unter ihren drei Decken und zwei Schlafsaecken zu warm wird. Lange passiert nichts. Ich gehe vor Hitze drauf. Livia:schlaeft. Von Ole hoere ich nur ein roecheln, ich weiss nicht ob ihm auch zu warm ist oder ob er im Fieberwahn stoehnt. Mir ist es echt zu heiss und gerade als ich mich auf den Weg zur Tuere machen will stuermt Livia wie eine Furie an mir vorbei und reisst dieselbe auf. Mann, ich bin beruhigt, die Frau scheint doch noch menschlich zu fuehlen! Wir muessen die Tuere diese Nacht noch ungefaehr hundertdreissig mal oeffnen, da dieses Holz wie bescheuert boellert.
27.10. Ole hat 38.5 Fieber. Doof. Er setzt sich mit Decke und Muetze bewaffnet ins Auto, das gegen 9.15Uhr losfaehrt.
Im Hintergrund sind bereits die Auslaeufer der Khongoryn-Els - gigantische Sandduenen - zu sehen. Nach langweiliger Fahrt erreichen wir das Camp um 16.00Uhr. Olaf legt sich sofort ins Bett waehrend Erkar Livia und mich zu den Duenen faehrt. Die Dinger sind bis zu 300m hoch und singen! Die Beiden bleiben nach gut 100m Aufstieg stehen, mich zieht es nach ganz oben. Die steilen Sandhaenge sind sehr anstrengend zu besteigen. Es errinnert doch stark an tiefverschneite, pulverschneegeschwaengerte Winterhaenge. Der Unteschied besteht darin, dass man im Pulverschnee einsinkt waehrend man im feinen Sand den Schritt den man getan hat zur Haelfte wieder zurueck rutscht. Oben - angekommen - bin - isch - platt! Koennte das auch an den in letzter Zeit doch oefter grauchten Kent-Jest?-Zigaretten liegen? Paperlapap... Von hier oben hat man auf jeden Fall eine super geile Aussicht. Die Khongor-Els ist laut "Einsamer Planet" (englischsprachiger Reisefuehrer und "Bibel" fuer leider allzuviele "Reisefundamentalisten" und "Reiseindividualisten") 100km lang, bis zu 12km breit und eben bis 300m hoch und somit eine der weltgroessten Sandduenen. Und genau das sieht man von hier oben. Der Wind pfeift. Der Sand wird verfrachtet. So stellt man sich eine Wueste vor. An der Duenenkante wird der Sand vom Wind waagrecht weggeblasen und in der so entstandenen "Flaeche" spiegelt sich mein Schatten. Dat sieht vielleicht geil aus... Ich mach hundertundein Foto und rutsche dann genuesslich den riesen Sandhaufen im riesen Sandkasten herunter.
28.10. Heute ist Piercing-Tag. Und das klassisch. Mit einem Holzstecken durch die Nasenscheidewand. Zum Glueck nicht bei uns aber doch bei den armen vier- bis fuenf Jaehrigen Kamelen die eingezaeunt vor der Jurt herumstehen. Dank dem Holzstueck durch die Nas werden die "Biester" lenkbar fuer die Massen an Touristen die hier im Fruehjahr "Kamelreiten durch die Wueste" vollziehen wollen. Ausserdem werden in diesem Alter die Kamelmaedchen zu Kameldamen, sie koennen schwanger werden und somit auch die wertvolle Kamelstutenmilch liefern - lecker... Das muss doch mit einem Stecken durch die Nase gefeiert werden, oda?
Wir werden eingeladen, das Prozedere mitzuverfolgen. Ich mache einen Film und bin doch erstaunt, dass das Ganze ohne einen Tropfen Blutvergiessens von statten geht. Die einzige Fluessigkeit die fliesst ist Kamelkotze. Vor Aufregung und Angst reiert das Tier den Piercer an - wenigsten ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit. Das Fangen und Piercen des Tieres dauert keine fuenf Minuten und nach einigem Schreien und Wimmern des Kameles ist der Spuk vorbei und es trottet relaxt wie immer davon. Die Piercermannschaft muss heute noch sieben weitere Tiere "lenkbar" und "zu Damen" machen - wir fahren weiter.
Auf gen Norden. Die fahrt ist heute lang- und langweilig. Scheiss Kombination! Highlight sind die "Flaming Rocks", rote Felsen, aber ganz ehrlich, nicht superspektakulaer. Um 16.00 Uhr sind wir im Camp und trinken mit einer Oma, die an einer von Hand betriebenen Naehmaschine arbeitet, einen Milchtee.
29.10.Heute muessen wir 270km zuruecklegen. Der Wetterbericht meldet Schnee und in der schneebedeckten Wueste ist es fast unmoeglich den richtigen Weg zu finden. Deswegen wollen wir die Wueste heute hinter uns lassen. Fuer den Fahrer anstrengend, fuer uns auch und dazu noch langweilig.
Von wo gibts denn hier mitten in der Wueste eigentlich einen Wetterbericht? Na aus dem Fernsehen natuerlich! Fast jede Familienjurte hat eine Satelitenschuessel und ein Fernsehgeraet! Betrieben ueber eine Autobatterie, die durch Solarpanels geladen wird. Sonne gibt es hier ja genug.
Heutiges "hohes Licht": Ongiin Khiid, Tempelruinen aus was weiss ich fuer einem Jahrhundert. Leider interessiere ich mich nicht wirklich fuer Tempel und fuer dessen Ruinen nicht umbedingt mehr...
Wir schaffen die Kilometer und um 17.00Uhr finden wir auch Jurten. Allerdings ohne Gaestejurte, so packt die eine Familie kurzerhand ihre Sieben Sachen und zieht fuer eine Nacht um. Wir drei koennen in der nun freien Jurte naechtigen - unglaublich liewe Leut, irgendwie aber auch unangenehm! Das muss man sich mal in Europa vorstellen: Kommen fremde Leute und man raeumt die Wohnung damit DIE dort alleine schlafen koennen - eigentlich doch unvorstellbar, net?
30.10. In der Nacht wurden Olaf und Livia beim Pieseln fast vom jurteneigenen Wachhund gefressen - und es hat geschneit. Auf dem Weg nach Kharakorin halten wir an einer Jurte an. Erst denk ich, Erkar will nur ein Teechen trinken, ploetzlich fangen die beiden Frauen an, das Filzzelt abzubauen. Ich zuecke sofort meine Waffe und halte den Abbau - bei dem Ole und Livi herzhaft helfen! - in Bild ohne Ton fest. Ich spare es mir, den Abbau zu komentieren, kuckt euch einfach die Bilder an...
In Kharakorin essen wir und besichtigen danach das aelteste Buddistenkloster Mongoliens: Erdene Zuu. Auch wenn ich kein Kloster-Fan bin, es ist ein wirklich schoenes, mit vielen alten Gebaeuden gespicktes. Moenche leben auch noch hier.
Weiter gehts in den Khongo-Khan-Ul-Park, wo wir bei einem richtigen "Originalmongolenopa" uebernachten. Seine Pfeiffe und die Klamotten sind praechtig!
31.10. Es schneit weiter. Eigentlich wollten wir heute in einen Nationalpark fahren, in dem die letzten wirklich wilden Pferde (nicht eingefuehrte und verwilderte Pferde wie in Amerika) - Perzewalski-Pferde - leben. Das macht bei dem Wetter aber keinen Sinn, so entschliessen wir, zurueck ins 200km entfernte Ulaan Baator zu fahren.
Die Tour war sehr schoen, allerdings wegen der vielen Fahrerei auch sehr anstrengend.
grosses PS: Fahrradfahren ist viel geiler!!!
zu den dazugehoerenden Bildern